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Ein Bild sagt mehr als ...

1973

Ein Bild sagt mehr als ...

Es ist ungewöhnlich kühl an diesem 5. August 1973 in Pirna. Torsten Hübner ist schon früh auf den Beinen. Schließlich ist heute sein 18. Geburtstag. Den kann man doch nicht so einfach verschlafen. Seit Monaten liegt er seinen Eltern in den Ohren, dass er nur einen einzigen Geburtstagswunsch habe: Eine Spiegelreflex-Kamera Exa, hergestellt in seinem Ausbildungsbetrieb.

 

Und richtig. Das wertvolle Stück liegt mit einer himmelblauen Schleife geschmückt neben der Vase mit den prächtigen Gladiolen. 270 Mark haben die Eltern für die Spiegelreflex bezahlt. Eine stolze Summe – für viele fast ein kompletter Monatslohn. Vor drei Wochen gab es den Fotoapparat in Dresden. Schnell das Geld bei der Sparkasse abgehoben und nach Dresden gefahren. Behutsam klappt Torsten das Lederetui der Kamera auf und lässt den Lichtschacht aufspringen. Jetzt aber nichts wie raus in die Natur und die Exa ausprobieren.

 

Die Sächsische Schweiz ist fast das zweite Wohnzimmer von Torsten Hübner. 1955 geboren, nimmt ihn sein Vater schon als Knirps mit zum Boofen. So wächst in Torsten die Liebe zur Natur und zu den malerischen Stimmungen, die schon seit alters her die Künstler faszinieren.

 

Ansonsten verläuft sein Leben eher normal: Kindergarten, Polytechnische Oberschule und dann die Möglichkeit, auf die Erweiterte Oberschule zu wechseln. Bis dahin sind die Hobbys oft wichtiger als der Schulalltag: Klettern und Fotografieren. Letzteres betreibt er mit seiner Kleinbild-Beirette sehr ernsthaft in der AG Foto beim Kulturbund.

 

Torsten entscheidet sich gegen die Erweiterte Oberschule und für eine Berufsausbildung mit Abitur in Dresden. Beim VEB Pentacon Dresden lernt er Feinmechaniker. In einem Jahr wird er das Abitur und den Facharbeiterabschluss ablegen. Dann Armee und dann wahrscheinlich Studium. Oder doch vorher die große Tour durch den Kaukasus? Geld dafür spart Torsten schon seit der Jugendweihe.