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Im Dienst für andere

1905

Im Dienst für andere

Wir schreiben das Jahr 1905. Die Mitvierzigerin Maria Feldmann wohnt zur Untermiete in einem dieser neuen Miet­shäuser in der Dresdner Altstadt. Ihre Kost-Wirtin sieht die alleinstehende Maria allerdings selten, arbeitet die erfahrene Krankenschwester doch im Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt. Erst vier Jahre ist es jetzt her, dass hier das zweite städtische Krankenhaus eröffnet wurde. Und schon jetzt platzt das neue Klinikum – genau wie das Friedrichstädter – wieder aus allen Nähten. Schwester Maria ist viel Arbeit gewohnt, aber manchmal kommt sie an ihre Grenzen.

 

Jeden Tag siedeln sich neue Familien in Dresden an. Die Landarbeiter wollen lieber in den Fabriken Geld verdienen, als sich auf den Feldern krumm zu schuften. Es  wird viel gebaut in der Stad: Häuser, Armenheime, Straßen, Trottoirs und auch das neue Krankenhaus in Johannstadt. Dass sich hier in über 100 Jahren der Komplex des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus erstrecken wird, weiß Schwester Maria zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht, als sie den Backsteinbauten entgegeneilt.

 

In Bannewitz bei Dresden als viertes von fünf Kindern geboren, wächst sie in einfachen aber ordentlichen Verhältnissen auf. Ihre Eltern sind gottesfürchtige Menschen. Als gläubige Christin ist Maria dem Wohl der Mitmenschen zugetan. Schon in frühester Jugend interessiert sie sich für medizinische Fragen. Deshalb steht außer Frage: Sie will Ärztin werden.

 

Doch als Mädchen vom Lande Medizin zu studieren, ist in dieser Zeit eine Unmöglichkeit. Weder erlaubt ihre Herkunft rein finanziell solch einen Bildungsweg, noch ist es für sie als Frau überhaupt möglich, eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Also entschließt sie sich für ein Leben als Krankenschwester. Zuerst im Diakonissenkrankenhaus, dann im neuen städtischen Krankenhaus in der Johannstadt. Maria Feldmann verrichtet gern und aufopferungsvoll ihren Dienst an den Mitmenschen. Das dankbare Lächeln der Patienten ist ihr oft wichtiger als der nicht allzu üppige Lohn.