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Die erste Kundin

1821

Die erste Kundin

Es ist ein kalter Februar-Tag im Jahre 1821. Der eisige Wind treibt die Schneeflocken vom nahen Erzgebirge durch Dresden. Nur wenige Passanten wagen sich an diesem Samstag-Nachmittag vor die Tür. Eine junge Frau eilt das Trottoir entlang. Sie hat ihre Haube tief in die Stirn geschoben und den Kragen ihres Mantels hochgeschlagen.

 

Wilhelmine Hammer hält das Täschchen mit der feinen Glasperlenstickerei fest in ihrem Muff umklammert. Woche für Woche hat sie von ihrem Lohn  Heller und Pfennig zusammengetragen und im Waschtisch hinter den Handtüchern versteckt. Schließlich sollte ja niemand wissen, wie viel sie schon gespart hatte. Zum Jahreswechsel bekommt die Tochter aus gutem Hause das Flugblatt eines Vereines in die Hand, der für eine „Sparcasse“ in Dresden wirbt. Dort wird genau das geboten, was Wilhelmine sucht: eine sichere Aufbewahrung für ihr Erspartes.

 

Jetzt steht die junge Dresdnerin in der neuen „Sparcasse“ am Seethor. Stolz zählt sie dem Angestellten 14 Taler auf den Tresen – eine beachtliche Summe. Sie eröffnet das Konto Nummer 1 bei der Sparkasse. Hier ist das Geld sicher und erwirtschaftet auch noch Zinsen. Wilhelmine ist beruhigt. Mit dem Einzahlungsbeleg in ihrem Täschchen verlässt sie die Sparkasse. Dank der Sparkasse können nun auch Angehörige der unteren Stände, vom Dienstmädchen bis zum Handwerksgesellen ihr Geld sicher aufbewahren und zugleich noch Zinsen für ihr Erspartes bekommen.

 

Und auch das Konto Nummer 2 der Dresdner Sparkasse wird von einer Frau eröffnet. Clara Job zahlt noch am gleichen Tag 10 Taler ein. Diesen beiden Frauen folgen in den nächsten Jahren tausende Dresdnerinnen und Dresdner, die ihr Geld der Sparkasse anvertrauen. So legen sie alle gemeinsam das Fundament, auf denen der heutige Wohlstand der Region aufbaut.